Drei Impulse für eine gelingende Beziehung

Soziale Zugehörigkeit und Verbundenheit spüren, das ist ein psychisches Grundbedürfnis. Gleichzeitig wollen wir, so wie wir sind, gesehen und angenommen werden. Wir brauchen andere. Und sie uns. Was es mit uns macht, wenn diese wichtige Quelle für unser Wohlbefinden an manchen Stellen versiegt, haben viele von uns in den vergangenen Monaten erlebt.

Beziehungen haben einen positiven Einfluss auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit. Das bezieht sich natürlich auf Beziehungen, die uns insgesamt gut tun. Die Quantität spielt dabei offensichtlich keine große Rolle, sehr wohl aber die Qualität unserer Beziehungen.  Und auch in den besten Beziehungen gibt es manchmal Konflikte. Eine Frage, die wohl sehr viele von uns beschäftigt ist deshalb: wie kann es gelingen, dass unsere Beziehungen in Balance und bereichernd bleiben. Auch dann noch, wenn die erste Faszination nachlässt oder wenn Unstimmigkeiten und belastende Herausforderungen innerhalb oder außerhalb der Beziehung auftreten. Du ahnst die unbequeme Antwort vielleicht schon: eine gute Beziehung ist kein Selbstläufer. Sie gelingt meist nicht einfach so. Ihr voran geht zuerst einmal eine aktive Entscheidung, sich auf ein anderes Individuum mit eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen einzulassen sowie die wachsende Erkenntnis, dass wir selbst etwas einbringen müssen, damit sie gelingt.

Was kann das sein? Was brauchen Beziehungen, um zu gedeihen? Ich mag in dem Zusammenhang das Bild eines Pflänzchens, das gepflegt werden muss, damit es wächst. Auch eine Beziehung wächst und blüht nur dann, wenn wir sie regelmäßig pflegen. Wenn wir sie hingegen immer wieder vernachlässigen, verkümmert sie langsam aber sicher. Wenn wir das schöne Geschenk der Verbundenheit und Wärme erleben wollen, die wir in einer guten Beziehungen erleben dürfen, müssen wir aktiv etwas dafür tun.

Was konkret, das ist so individuell wie die Beteiligten, die eine Beziehung eingehen. Und doch gibt es paar übergeordnete Themen, über die es sich lohnt, nachzudenken. Hier meine drei Impulse für eine bereichernde Beziehung:

#1. Selbstwirksamkeit.  
Verantwortung für uns selbst übernehmen.
Ja, auch wenn da noch jemand einen Anteil daran hat, in welche Richtung die Beziehung steuert, so liegt es doch zu einem großen Teil an uns selbst. Uns darauf zu verlassen, dass die Beziehung „von selbst läuft“ und der andere sich so verhalten wird, wie wir uns das wünschen, das ist keine gute Idee. Wir sollten unsere Verantwortung für das Miteinander übernehmen, denn nur wir selbst sind der Teil der Beziehung, den wir verändern können.
Wir sollten uns ehrlich mit unseren Bedürfnissen, Erwartungen, unseren Wünschen und Zielen beschäftigen, uns eingestehen was uns wichtig ist und uns so in die Beziehung einbringen. Klar, das erfordert die Bereitschaft zur Selbstreflexion, was nicht immer einfach ist, aber ein Weg der sich nicht nur in dieser Hinsicht lohnt.  
Das heißt konkret: Nimm Dir ab und zu bewusst Zeit für Dich und dafür, für Dich zu erforschen, was Du in bestimmten Situationen fühlst, denkst und wie Du auf was reagierst. Frage Dich auch, was Dein Verhalten beim anderen bewirkt. Finde einen Umgang damit, der Dir gut tut. Wenn wir selbst in Balance sind, haben wir die innere Gelassenheit, um aktiv zuzuhören und den anderen so sehen zu können, wie er ist und nicht, wie wir ihn uns wünschen. Auch er will – wie wir – gesehen werden.

Uns selbst und den anderen auf diese ehrliche Weise wahr- und annehmen, die gemeinsame Zeit auf dieser Basis bewusst gestalten – damit schaffen wir eine gute Voraussetzung für unsere Beziehung. Das Beziehungspflänzchen kann wachsen. Was es dann noch braucht, sind die nötigen Nährstoffe.


#2. Wertschätzung. 
Der Super-Dünger für eine bereichernde Beziehung. 
Wir alle brauchen Wertschätzung. Leider bekommen wir sie nicht immer in ausreichendem Maß.  Aus Sicht mancher ist der Wert eines Menschen an das geknüpft, was er besitzt bzw. was er für sie leistet. Es gibt Beziehungen, in denen sich die Partner ständig kleine Versäumnisse und vermeintliche Fehler vorwerfen und sich gegenseitig abwerten. Bei manchen Menschen habe ich sogar den Eindruck, dass sie einen derartigen Umgang als „normal“ verinnerlicht haben. Und es gibt tatsächlich Beziehungen, die unter diesen Voraussetzungen lange „funktionieren“. Um wieder auf unser Pflänzchen zurückzukommen: in einer solchen Umgebung vegetiert es vor sich hin. Und mir stellt sich die Frage: wollen wir das? Oder wollen wir nicht vielmehr, dass es in voller Kraft erblüht und unser Leben jeden Tag bereichert?

Wertschätzung heißt das Zauberwort. Den anderen in seinem Wert, in seinem so-sein schätzen, unabhängig davon, ob wir gerade einer Meinung sind. Seine Stärken sehen, seinen Beitrag anerkennen, seine Bedürfnisse respektieren. Um diese innere Haltung leben zu können, muss ich mich aktiv dafür entscheiden und sie schrittweise ausformen, denn viele von uns haben das nicht gelernt. 

Nicht nur, dass wir viel zu selten zum Ausdruck bringen, was wir an dem anderen schätzen und wofür wir ihm dankbar sind, viele Menschen tendieren generell dazu, den Fokus mehr auf das Negative zu legen. Wenn wir aber ständig mit Kritik umgeben sind, wenig positive Dinge erleben, hat das zwangsläufig Auswirkungen. Auch körperliche, durch die damit einhergehende Ausschüttung von Stresshormonen. 

Deshalb: lege den Fokus doch lieber darauf, viele positive und bereichernde Dinge in die Beziehung einzubringen, die Deine und die Wünsche und Bedürfnisse des anderen berücksichtigen. Achte darauf, auch Meinungsverschiedenheiten mit dieser wertschätzenden Grundhaltung zu lösen.  Zeige dem anderen auch dann, wenn Du Dich über sein Verhalten ärgerst, wie wichtig er für Dich ist. Unterscheide das, was der andere tut, von dem, was er für Dich bedeutet. Dann fällt dieser Schritt gar nicht mehr so schwer.

Wenn wir grundsätzlich diesen wertschätzenden, positiven Umgang miteinander pflegen, entsteht etwas sehr wichtiges: Sicherheit und Vertrauen. Das ist der Nährstoff dafür, dass wir uns beim anderen wohl fühlen und uns öffnen können. Die Bindung wird tiefer und sogar unser Immunsystem kann von dieser positiven Atmosphäre gestärkt werden. Deshalb: triff jetzt die Entscheidung, fang Du damit an. Der andere wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf einlassen und sein Verhalten anpassen.

Eine wertschätzende Grundhaltung ist die Basis, wir müssen sie aber auch entsprechend zum Ausdruck bringen. Deshalb ist mein dritter Impuls für eine bereichernde Beziehung:

#3. Kommunikation.
Wie man in den Wald hineinruft …
Auch hier müssen wir wieder eine Entscheidung treffen – nämlich die, bewusst und wertschätzend zu kommunizieren. Wertschätzung entfaltet ihre positive Wirkung nur dann, wenn man sie auch zum Ausdruck bringt. Sag öfter mal von Herzen „Danke“. Schenke ehrliche Anerkennung – auch für kleine, alltägliche Dinge. Drücke aus, was der andere für Dich bedeutet. Egal ob mit Worten, mit einem Lächeln oder mit einer Geste. Und mach es lieber einmal öfter, als zu wenig. Denn wenn wir positives Feedback nicht äußern, besteht immer die Gefahr, dass der andere das als Gleichgültigkeit interpretiert. Lebe Freundlichkeit und Wohlwollen, dann wird es Dir mit hoher Wahrscheinlichkeit zurückgeschenkt. 

Eine respektvolle, freundliche Kommunikation fällt uns dann besonders schwer, wenn der andere etwas tut, was uns nicht gefällt oder wenn er eine Meinung vertritt, die wir nicht verstehen. Gerade dann ist es wesentlich hilfreicher, bewusst zu kommunizieren, als unsere Emotionen einfach nach außen zu entladen. Anstatt unserem Ärger spontan Luft zu machen, könnten wir erst mal kurz innehalten und versuchen, die Situation objektiv aus unserer Sicht zu formulieren, uns unserer momentanen Gefühle und Bedürfnisse bewusst werden, um dann auszudrücken, was wir uns gerade wünschen. Ruhig und respektvoll. 

Wir könnten uns bei Meinungsverschiedenheiten um Offenheit bemühen, zuhören, unsere Meinung kurz beiseite stellen, uns distanzieren vom weit verbreiteten, egozentrischen „ich-habe-recht“ und „nur-so-und-nicht-anders“-Syndrom. Vielleicht könnten wir uns sogar fragen: hat denn eigentlich irgendjemand recht? Kommt es nicht eher sehr auf den Kontext und die jeweilige Perspektive an? Und was ist denn jetzt wirklich hilfreich und zielführend? Auf dem eigenen Standpunkt zu bestehen oder nachzufragen und vielleicht sogar einen Perspektivwechsel zu wagen? Es kann überaus bereichernd sein, sich auf diese Entdeckungsreise einzulassen. Ein Konsens lässt sich auf jeden Fall auf diese Art viel leichter finden.

Die Beziehung zu unserem Hund
Hier im Blog geht es um „Balance mit Hund“ und bis jetzt habe ich über Mensch-Mensch-Beziehungen beschrieben. Wirklich? Ich habe vor einiger Zeit ein Interview mit dem Verhaltensforscher Prof. Dr. Kurt Kotrschal gelesen und dieser Satz ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: „Mit ein wenig Herz und Hirn kann man zu einem Hund eine symmetrische, stabile und überaus bereichernde Partnerschaft aufbauen.“ (*)
 Diese Erfahrung habe auch ich gemacht, und deshalb kann ich voller Überzeugung sagen: natürlich trifft das meiste hier auch auf unsere Beziehung mit unseren Hunden zu. Sie geben uns so viel und haben einen wertschätzenden Umgang verdient. 

Auch im Umgang mit ihnen sollten wir unser eigenes Fühlen, Denken und Handeln reflektieren. Innehalten, bevor wir emotional reagieren. Auch sie profitieren von positiver Zuwendung, vom Abfragen eines Alternativverhaltens anstatt Korrektur, von vielen gemeinsamen schönen Erlebnissen. Und gerade sie sind auf unsere wertschätzende Grundhaltung und unserer Fähigkeit zum Perspektivwechsel angewiesen. Sie haben ebenfalls das Bedürfnis gesehen zu werden – mit all ihren Stärken und Fähigkeiten und sie wollen sich uns gegenüber ausdrücken und verstanden werden. Gerade in der Mensch-Hund-Kommunikation sind wir Menschen noch mehr gefordert. Wir müssen ihre Körpersprache und ihr Ausdrucksverhalten verstehen lernen und unsere Kommunikation ihren hündischen Fähigkeiten anpassen. Wenn wir bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, uns um Wertschätzung und eine passende Kommunikation auch in der Mensch-Hund-Beziehung bemühen, dann werden wir mit unserem Hund eine sehr bereichernde Beziehung erleben, die Mensch und Hund gleichermaßen aufblühen lässt.

Du hast Fragen oder Anregungen zu diesem Thema? Dann schreibe mir gerne oder besuche mich auf Instagram. Mein Profil „balancemithund“ ist privat und nur für interessierte Menschen gedacht, die sich Ideen für den Alltag wünschen und Fragen stellen möchten. Ich freue mich auf einen wertschätzenden Austausch mit Dir .


(*) Quelle: GEOWissen, Ausgabe “Geliebte Gefährten“, 60/2017

 

Wichtiger Hinweis:
Die Beiträge in meinem Blog sollen dabei helfen, in Balance zu bleiben. Die Themen beinhalten präventive Impulse und Ideen. Solltest Du das Gefühl haben, dass Du feststeckst oder Dich im Kreis drehst, möchte ich Dich ermuntern, Dir Unterstützung zu holen. Viele Menschen erleben in ihrem Leben einmal eine Phase, aus der sie nur schwer alleine herausfinden. Und genau für diese Lebensphasen sind therapeutische Angebote gedacht – sie unterstützen Dich dabei, Deinen Weg zu finden, der da herausführt.